Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren,
zunächst möchte ich sagen, dass ich die Stellungnahme der Verwaltung durchaus nachvollziehen kann. Natürlich stellen sich Fragen nach Eigentumsverhältnissen, Finanzierung und Zuständigkeiten. Diese Fragen sind berechtigt und müssen beantwortet werden.
Aber genau deshalb haben wir diesen Antrag gestellt.
Der Antrag soll eben nicht heute den Ankauf eines Hauses beschließen, kein Museum errichten und auch keine Sanierung beauftragen. Er soll vielmehr den politischen Auftrag geben, jetzt tätig zu werden und überhaupt zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen.
Denn eines ist unbestritten:
Karl Hagemeister ist der bedeutendste Künstler, den unsere Stadt hervorgebracht hat. Er war ein bedeutender Vertreter des deutschen Impressionismus und Ehrenbürger der Stadt Werder. Sein Geburtshaus steht bis heute in unserer Stadt und ist damit ein einzigartiges Zeugnis unserer Geschichte.
Mit dem Tod seines Nachfahren hat sich nun eine neue Situation ergeben. Im Haus befinden sich Schriften, Bilder, Fotografien und Dokumente, deren kultureller und historischer Wert heute möglicherweise noch gar nicht vollständig bekannt ist.
Wenn wir jetzt nichts unternehmen, besteht die Gefahr, dass dieser Nachlass verstreut oder sogar verloren geht. Was einmal verloren ist, können wir später nicht mehr zurückholen.
In der Stellungnahme wird ausgeführt, der Antrag sei zu unbestimmt.
Ich sehe das anders.
Gerade weil heute noch viele Fragen offen sind, braucht es zunächst einen politischen Auftrag, Gespräche mit den Erben aufzunehmen und gemeinsam mit Fachleuten zu prüfen, welche Möglichkeiten überhaupt bestehen. Erst danach kann über konkrete Maßnahmen, Zuständigkeiten oder Finanzierung gesprochen werden.
Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass Kultur eine freiwillige Aufgabe der Kommune sei.
Das stimmt.
Aber freiwillige Aufgaben sind nicht automatisch unwichtig.
Kultur ist Identität. Kultur erzählt die Geschichte einer Stadt. Sie schafft Verbundenheit und macht eine Stadt auch für Gäste interessant. Werder lebt nicht nur von seiner schönen Landschaft, sondern auch von seiner Geschichte und seinem kulturellen Erbe.
Wenn wir dieses Erbe nicht bewahren, wer dann?
Auch das Argument der Kosten überzeugt mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Dieser Antrag verpflichtet die Stadt nicht dazu, sofort erhebliche finanzielle Mittel bereitzustellen. Er fordert zunächst Gespräche und eine Prüfung der Möglichkeiten. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass für kulturelle Projekte häufig Fördermittel von Land, Bund oder Stiftungen zur Verfügung stehen. Ob diese in Betracht kommen, kann aber erst geprüft werden, wenn wir überhaupt aktiv werden.
In der Stellungnahme wird auch darauf verwiesen, dass frühere Bemühungen gescheitert seien.
Gerade deshalb sollten wir die heutige Situation als neue Chance begreifen. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Nach dem Tod des letzten Nachfahren besteht möglicherweise erstmals die Möglichkeit, gemeinsam mit den Erben über die Zukunft dieses Hauses und des Nachlasses zu sprechen.
Dafür braucht es aber den politischen Willen.
Es geht heute nicht darum, eine fertige Lösung zu beschließen.
Es geht darum, Verantwortung für unsere Geschichte zu übernehmen.
Karl Hagemeister gehört zu Werder wie die Havel, die Obstgärten und unsere Altstadt. Sein Geburtshaus ist weit mehr als ein privates Gebäude. Es ist ein Ort unserer Stadtgeschichte.
Ich bin überzeugt, dass wir diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen sollten.
Lassen Sie uns heute den ersten Schritt machen und den Weg dafür öffnen, dass dieses kulturelle Erbe erhalten werden kann.
Ich bitte Sie deshalb um Ihre Zustimmung zu diesem Antrag.
Vielen Dank.
Stellungnahme der Stadt Werder: https://stadtmitgestalter.de/2026/06/25/sicherung-des-kulturellen-erbes-karl-hagemeisters-stellungnahme-der-stadt-werder/